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03.08.2026

Wo Seife reift und Ideen waschen

Partnertreffen bei Hautwohl

Auf den ersten Blick könnte man meinen, wir stehen in einer Küche. Große Edelstahltöpfe, starke Passiermaschinen, Waagen und Regale voller erlesener Zutaten.  Es wird auch gekocht – doch statt eines neuen Rezepts für den Mittagstisch entstehen hier: Naturseifen.

Eingeladen hat unser Partnerbetrieb Hautwohl und empfängt uns auf dem Biohof im Schwarzwald. Für unser Partnertreffen durften wir einen Blick hinter die Kulissen der Seifenmanufaktur werfen und wollen euch auch einen Einblick gewähren.

Wer diese handgemachte Seife in den Händen hält, sieht nur das fertige Produkt. Bis dahin ist es ein weiter Weg. In der Manufaktur werden hochwertige Pflanzenöle sorgfältig verarbeitet und nach traditionellen Verfahren verseift. Hautwohl setzt dabei bewusst auf natürliche Inhaltsstoffe und verzichtet auf synthetische Duftstoffe, Palmöl und unnötige Zusätze. Das Ziel ist es einfache, langlebige Lösungen für Haut, Haare und Haushalt anzubieten.

Handwerk braucht Zeit

Der Blick in die Lagerräume war überraschend: Dort stehen unzählige Seifen ordentlich aufgereiht und warten geduldig auf ihren Einsatz. Denn gute Seife braucht neben den besten Rohstoffen auch: Zeit. Nach dem Sieden muss sie mehrere Wochen reifen, bevor sie ihre optimale Qualität erreicht. Fast wie ein guter Käse entwickelt sie erst mit der nötigen Ruhe ihre besonderen Eigenschaften. Dabei spielen auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle. In einer Zeit, in der vieles immer schneller werden soll, ist das ein schöner Gegenentwurf: Qualität entsteht nicht auf Knopfdruck.

Innovation bedeutet nicht immer, etwas völlig Neues zu erfinden. Manchmal bedeutet sie, Bewährtes neu zu denken. Ein Beispiel für diesen Unternehmergeist sind die Seifenflocken: ein bestehendes Produkt – die Kernseife – wird weiterentwickelt. Mit der Sparte HauSwohl ist ein Produkt entstanden, dass zahlreiche unterschiedliche Reinigungs- und Waschmittel ersetzen kann. Durch eine neue Verarbeitungsstruktur lösen sich die Seifenflocken besonders gut auf und sind leicht Einsetzbar. Für den Kunden und den Produzenten eine spürbare Erleichterung!

Mehr als eine Betriebsbesichtigung

Bei unserem Besuch ging es aber nicht nur um Seife: Wie gewinnen kleine Unternehmen gute Mitarbeitende? Welche Rolle spielen Social Media und authentische Kommunikation? Wie entstehen neue Produkte? Und wie gelingt es, trotz wachsender Anforderungen den eigenen Werten treu zu bleiben?

Diese Fragen beschäftigen viele unserer Partnerbetriebe – unabhängig davon, ob sie Gemüse anbauen, Getränke abfüllen oder eben Naturseifen herstellen. Unser Regionalwert-Netzwerk zeichnet sich durch Menschen aus, die voneinander lernen, sich gegenseitig inspirieren und ihre Erfahrungen teilen. Gerade deshalb sind unsere Partnertreffen so wertvoll: Sie schaffen Raum für einen offenen Austausch auf Augenhöhe, bei dem echte Gespräche entstehen und Vertrauen neue Perspektiven eröffnet  – oft ganz unscheinbar bei einer Tasse Kaffee oder während des Rundgangs durch die Produktion.

Wir bedanken uns herzlich bei der Familie Göppert für ihre Offenheit, die spannenden Einblicke und die Gastfreundschaft. Denn eines nehmen wir aus dem Schwarzwald mit: Gute Produkte entstehen mit handwerklichem Können und Geduld – Gute Netzwerke genauso.

Wenn ihr mehr über die Seifen erfahren wollt schaut auf dem Youtube-Kanal von Hautwohl vorbei oder bestellt euch hier die handgemachten Seifen nach Hause.

Lust bekommen bei Hautwohl zur arbeiten? Dann schau mal hier.

29.07.2026

Das Agrikulturfestival 2026

Ein Rückblick:

Podiumsgespräch zum Ernährungsgipfel: Manfred (Großmarkt Freiburg), Evi (Ernährungsrat), Nick (KEWI-Netzwerk), Daniel (Moderator), Sophia (Universität Freiburg), Lars (Regionalwert AG), Milena (Schafhof)

Drei Tage lang wurde in Freiburg diskutiert, gefragt und weitergedacht: Wie gelingt eine zukunftsfähige Land- und Ernährungswirtschaft? Welche Rahmenbedingungen brauchen landwirtschaftliche Betriebe? Und wie können regionale Ernährungssysteme widerstandsfähiger werden?

Wir waren mit mehreren Veranstaltungen Teil dieses Austauschs und brachten dabei Perspektiven aus der Praxis ein und diskutierten gemeinsam mit Vertretern aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft über Wege zu einer nachhaltigen Ernährungswirtschaft.

Ernährung gemeinsam denken

Ernährung ist mehr als eine Konsumentscheidung. Sie betrifft Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie, Kommunen und beeinflusst letztlich uns alle als Verbraucher. Gleichzeitig stehen gerade regionale Wertschöpfungsketten unter großem Druck – durch wirtschaftliche Zwänge, Klimaveränderungen und gesellschaftliche Erwartungen.

Wie wollen wir uns künftig in Freiburg und der Region ernähren? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion in Folge des Freiburger Ernährungsgipfels, an der Vertreter:innen des Großmarkts Freiburg, des Ernährungsrats Freiburg, der Universität Freiburg, der Kommune Schafhof und der Regionalwert AG Freiburg-Südbaden teilnahmen. (vgl. Foto)

Die Runde machte deutlich, dass tragfähige Lösungen entstehen, wenn unterschiedliche Akteure miteinander ins Gespräch kommen und Verantwortung teilen. Zum Abschluss wurden viele Fragen aufgeworfen – die Antworten liegen noch nicht auf dem Tisch. Umso wichtiger ist es, den Dialog fortzusetzen.

Gemeinwohl vor Marktlogik

Die Landwirtschaft produziert nicht nur Lebensmittel. Sie erhält fruchtbare Böden, fördert Biodiversität, schützt Wasser, schafft Arbeitsplätze und stärkt regionale Wirtschaftskreisläufe. Diese Leistungen sind für unsere Gesellschaft unverzichtbar – finden sich aber weder in den Preisen der Produkte, noch in betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wieder.

Genau hier setzte der Vortrag an: die Regionalwert-Leistungsrechnung macht ökologische, soziale und regionalökonomische Leistungen von Betrieben sichtbar und schafft damit eine Grundlage für neue Formen der Anerkennung und Vergütung. Nach einer kurzen Einführung hat Ralf Mützel per Videobotschaft erklärt, wie die Stadt Neumarkt dieses Tool nutzt, um mit kommunalen Geldern die regionale Landwirtschaft für Gemeinwohlleistungen zu bezahlen.

In einer kurzen Runde wurde dann besprochen, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit auch Freiburg und die Region diesen Weg einschlagen können. Hintergründe zu dem Projekt gibt es hier.

Foodpreneurs

Ideen für eine zukunftsfähige Ernährungswirtschaft entstehen oft nicht auf großen Bühnen, sondern dort, wo Menschen ehrlich miteinander ins Gespräch kommen.

Genau darum ging es beim grenzüberschreitenden Format mit Teilnehmenden aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Egal ob Landwirt, Köchin oder Gründer – Menschen mit Ideen für die Zukunft unseres Ernährungssystems kamen zusammen, um sich über aktuelle Herausforderungen und Erfahrungen auszutauschen. Dabei stand das gemeinsame Nachdenken im Vordergrund: Was beschäftigt mich gerade? Welche Erfahrungen können andere teilen? Und welche neuen Perspektiven entstehen daraus?

Als Regionalwert AG sind wir überzeugt, dass Innovation dort entsteht, wo unterschiedliche Menschen und Erfahrungen zusammenkommen. Der Blick über Betriebs-, Branchen- und Landesgrenzen hinweg eröffnet neue Lösungsansätze und stärkt die Zusammenarbeit in unserer Region. Wir danken Michael v. Kutzschenbach von der FHNW der dieses inspirierende Format initiiert und moderiert hat.

Austausch als Motor für Veränderung

Das Agrikulturfestival ist Ort des Zuhörens, des Vernetzens und des gemeinsamen Weiterdenkens. Landwirtschaft, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft haben unterschiedliche Interessen. Umso wichtiger ist der offene Dialog über gemeinsame Ziele und praktikable Lösungen. Eine zukunftsfähige Land- und Ernährungswirtschaft entsteht natürlich nicht an einem Wochenende, aber sie wächst dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, Netzwerke stärken und gemeinsam ins Handeln kommen.

Viele der diskutierten Fragen beschäftigen uns auch nach dem Festival weiter: Wie stärken wir regionale Wertschöpfung? Wie schaffen wir faire wirtschaftliche Perspektiven für landwirtschaftliche Betriebe? Wie können Gemeinwohlleistungen sichtbarer werden? Und wie gelingt es, Stadt und Land enger miteinander zu verbinden?

Als Regionalwert AG verstehen wir uns dabei als Impulsgeberin, Vernetzerin und Partnerin für eine zukunftsfähige Land- und Ernährungswirtschaft. Das Festival hat gezeigt, wie viel Wissen, Engagement und Veränderungsbereitschaft bereits in unserer Region vorhanden sind. Jetzt gilt es, diese Impulse aufzugreifen und gemeinsam weiterzuentwickeln – mit unseren Partnerbetrieben, Aktionären und vielen weiteren Akteurinnen.

28.07.2026

Preisgekrönter Smoothie aus Freiburg

Emils erreicht Platz 2 beim Regional-Star 2026.

Michael Wiese bei der Preisverleihung – Foto: Santiago Engelhardt für Lebensmittel Praxis

Wir freuen uns mit unserem Partnerbetrieb Emils Bio-Manufaktur: Beim bundesweiten Wettbewerb Regional-Star 2026 wurde das Freiburger Unternehmen mit dem zweiten Platz in der Kategorie Produktinnovation ausgezeichnet.

Der Regional-Star, vergeben von Lebensmittel Praxis und der Grünen Woche, würdigt innovative Konzepte, die regionale Wertschöpfung stärken und neue Impulse für die Lebensmittelbranche setzen.

Ausgezeichnet wurde die neue Smoothie-Linie von Emils. Das Besondere: Während viele Smoothies auf importierte Fruchtpürees, Bananen oder Traubensaft als Füllstoffe setzen, geht Emils einen anderen Weg. Beide Smoothies sind mit dem Label Bio Baden-Württemberg zertifiziert. Damit steht nicht nur die ökologische Qualität im Mittelpunkt, sondern auch die nachvollziehbare regionale Herkunft der Zutaten.

Verarbeitet werden frische Bio-Früchte – darunter Äpfel, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Schwarze Johannisbeeren. Die Früchte werden direkt nach der Ernte tiefgekühlt und anschließend in der eigenen Bio-Manufaktur in Freiburg schonend verarbeitet. Auch bei den weiteren Zutaten setzt Emils konsequent auf Regionalität: mit heimischer Leinsaat  als Superfood sowie naturtrüben Bioland-Apfelessig aus dem Schwarzwald. Auf Zusatzstoffe wird vollständig verzichtet.

Für uns als Regionalwert AG Freiburg-Südbaden ist diese Auszeichnung ein starkes Signal. Sie zeigt, dass regionale Lebensmittel nicht nur nachhaltig produziert werden können, sondern auch durch Innovationskraft überzeugen. Wertschöpfung entsteht dort, wo Landwirtschaft, Verarbeitung und Vermarktung eng zusammenarbeiten und gemeinsam neue Wege gehen.

Wir gratulieren dem gesamten Team herzlich zu dieser Auszeichnung. Der Preis macht sichtbar, welches Potenzial in echten Partnerschaften steckt – und wie innovative Produkte dazu beitragen können, unsere regionale Lebensmittelwirtschaft zukunftsfähig zu gestalten.

Neugierig geworden? Ihr findet die Produkte bei unseren Partnermärkten Naturalia, Vita und Waage.
Mehr über die Bio-Smoothies von Emils gibt es hier und über die Preisverleihung und weitere Gewinner hier.

15.07.2026

Zwei Herausforderungen gelöst

Betriebsübergabe von Querbeet erfolgreich!

Nach 16 Jahren übergibt Jannis Althaus die Gärtnerei Querbeet an Matthias und Isabel Hiss vom Biohof Hiss. Hinter dieser Betriebsübergabe steht mehr als nur ein Wechsel der Verantwortung.

Während Querbeet eine Nachfolgelösung suchte, steht der Biohof Hiss vor einer anderen Herausforderung: Durch den Ausbau des Umspannwerks in Eichstetten wird der Betrieb in den kommenden Jahren einen erheblichen Teil seiner Flächen verlieren. Dass daraus nun eine gemeinsame Zukunft entstehen konnte, ist alles andere als selbstverständlich.

Die Gärtnerei gehört zu den Gründungsbetrieben der Regionalwert AG und entstand auf Flächen der Familie Hiss. Mit der Übernahme durch Matthias und Isabel Hiss schließt sich daher nicht einfach ein Kreis – vielmehr setzt sich eine über 20-jährige Geschichte regionaler Zusammenarbeit in neuer Form fort.

Querbeet ist ein prägender Gemüsebaubetrieb und versorgt zahlreiche Menschen in Freiburg und der Region mit biologisch-dynamischem Gemüse. Seit 2010 hat Jannis Althaus den Betrieb mit viel Engagement geführt. Gemeinsam mit seinem Team entstand ein Ort, an dem ökologischer Gemüsebau, Ausbildung und Zusammenarbeit selbstverständlich zusammengehörten.

Mit der Übernahme durch Matthias und Isabel bleibt dieser Standort erhalten und wird biologisch-dynamisch weitergeführt. Gleichzeitig gewinnt der Biohof Hiss eine wichtige Perspektive für die Zukunft seines Familienbetriebs. Aus zwei schwierigen Ausgangslagen ist eine tragfähige Lösung entstanden.

Gerade in Zeiten, in denen viele landwirtschaftliche Betriebe um ihre Zukunft ringen, sind solche Übergaben von besonderer Bedeutung. Auch dafür steht die Regionalwert-AG. Wir schaffen Räume für Austausch und Kooperation. Manchmal zeigt sich der Wert dieser Verbindungen besonders deutlich dann, wenn sie helfen, eine Zukunftsperspektive zu eröffnen.

Wie Jannis Althaus sowie Matthias und Isabel Hiss diesen Übergang persönlich erlebt haben, welche Gedanken sie mit der Übergabe verbinden und worauf sie nun blicken, können Sie in ihren Texten nachlesen.

Wir danken Jannis und Andrea Althaus herzlich für ihren langjährigen Einsatz und wünschen Matthias, Isabel und ihrem Team einen guten Start für dieses neue Kapitel.

15.07.2026

Hauptversammlung GJ 2025

Lasst uns reden

Foto: Felix Groteloh

Am 25.06. fand bei hochsommerlichen Temperaturen unsere diesjährige Hauptversammlung im Adelhaus in Freiburg statt. Trotz der Hitze und der provisorischen Sanitärsituation folgten zahlreiche Aktionäre unserer Einladung. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken!

Im Mittelpunkt des Nachmittags standen der Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr sowie ein Ausblick in die Zukunft. Vorstand und Aufsichtsrat berichteten offen über die Entwicklung der Regionalwert AG, die anstehenden Projekte und wie wir unsere Handlungsfähigkeit sichern. Dabei wurde deutlich, dass die Themen Versorgungssicherheit, regionale Wertschöpfung und Krisenfestigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnen – und damit den Weg bestätigen, den wir seit unserer Gründung verfolgen.

Vorgestellt wurden außerdem neue Kooperationen und die Weiterentwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Das Adelhaus nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Es wird zunehmend zu einem Ort der Begegnung, an dem Menschen aus Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, Gastronomie, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenkommen, Ideen austauschen und gemeinsam an einer zukunftsfähigen regionalen Ernährungswirtschaft arbeiten. Die geplante Gründung eines Fördervereins soll diesen Austausch künftig noch breiter verankern und weitere Menschen einladen, sich aktiv einzubringen.

Ein weiterer besonderer Moment war die erfolgreiche Übergabe unseres Partnerbetriebs Querbeet an den Biohof Hiss. Nach 16 Jahren engagierter Arbeit übergab Jannis Althaus den Betrieb in neue Hände. Mit großem Einsatz hat er Querbeet geprägt und weit über den Gemüsebau hinaus als verlässlichen Partner im Regionalwert-Netzwerk mitgestaltet. Dass trotz der herausfordernden Zeiten die biologisch-dynamische Landwirtschaft fortgeführt wird, ist ein starkes Signal.

Die anschließende Generaldebatte war geprägt von einer offenen und konstruktiven Diskussion. Zahlreiche Fragen, Anregungen und Impulse machten deutlich, wie groß das Interesse unserer Aktionärinnen und Aktionäre an der Weiterentwicklung der Regionalwert AG ist und wie wichtig der persönliche Austausch für unseren gemeinsamen Weg bleibt. Als Netzwerk für eine Land- und Ernährungswirtschaft, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Verantwortung verbindet können wir unsere Region langfristig stärken.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für ihr Vertrauen, ihre Fragen und ihre Unterstützung.

08.07.2026

Was Freiburg von Neumarkt lernen kann

Gemeinwohlleistungen honorieren!

Ein landwirtschaftlicher Betrieb leistet weit mehr als nur Lebensmittelproduktion. Bei einer entsprechenden Arbeitsweise werden Böden und Wasser geschützt, Artenvielfalt erhalten, Ausbildungsplätze geschaffen und regionale Wirtschaftskreisläufe gestärkt. Vieles davon kommt der gesamten Gesellschaft zugute – wird wirtschaftlich aber bisher kaum berücksichtigt.

Die Stadt Neumarkt in der Oberpfalz zeigt, wie Kommunen das ändern können. Beim AgriKultur Festival in Freiburg sprechen wir darüber, was sich aus diesem Modell für unsere Region lernen lässt.

In einer Videobotschaft stellt Ralf Mützel, Amtsleiter Amt für Nachhaltigkeit, das kommunale Modell vor und berichtet von den bisherigen Erfahrungen. Anschließend diskutieren Vertreterinnen und Vertreter der Agronauten, der Regionalwert-Leistungsrechnung und der Regionalwert AG Freiburg-Südbaden, welche Perspektiven sich daraus für Freiburg und die Region ergeben.

Panel „Gemeinwohl vor Marktlogik“
Samstag, 11. Juli 2026, 14 Uhr in der Aula

Neumarkt hat es vorgemacht. Nun sprechen wir gemeinsam darüber, was Freiburg daraus lernen – und vielleicht sogar besser machen – kann. Diese sogenannten Gemeinwohlleistungen sind nicht an eine bestimmte Stadt gebunden. Auch landwirtschaftliche Betriebe in Freiburg und der Region erbringen täglich Leistungen, von denen wir alle profitieren.

Der Einstieg ist möglich: mit einem Pilotprojekt, einem geplanten Budget und einer engen Beteiligung der Landwirtschaft. Der wichtigste erste Schritt besteht darin, Gemeinwohlleistungen nicht länger als selbstverständliche und kostenlose Nebenprodukte der Landwirtschaft zu betrachten.

18.06.2026

Studierende erforschen das Naturalia

Käpsele aus Friesenheim als Leuchtturm

Studierende besuchen unterschiedliche Akteurinnen und Akteure entlang der regionalen Ernährungswirtschaft und erhalten Einblicke in konkrete Geschäftsmodelle, Herausforderungen und Lösungsansätze.

Jedes Sommersemester bieten Jörg Lindenmeier und Arnim Wiek von der Universität Freiburg gemeinsam ein Seminar zur Nachhaltigkeit in der Ernährungswirtschaft an. Neben theoretischen Grundlagen ist dabei auch der direkte Blick in die Praxis ein wichtiger Bestandteil.

Nach einem ersten Besuch im Jahr 2024 war das Naturalia erneut eine Station der Exkursion. Inhaberin Irene Krieg empfing die Gruppe in ihrem Biomarkt. Das Naturalia bietet ein vollständiges Sortiment an Biolebensmitteln, Naturpflegeprodukten sowie ein kleines Café mit Mittagstisch. Der Besuch machte deutlich, vor welchen Herausforderungen inhabergeführte Biomärkte heute stehen. Bioprodukte sind inzwischen auch in Discountern und großen Handelsketten breit verfügbar. Für kleinere, unabhängige Märkte bedeutet das einen wachsenden Wettbewerbsdruck. Sie müssen ihr Sortiment laufend weiterentwickeln, nah an den Bedürfnissen ihrer Kundschaft bleiben und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig arbeiten.

Dabei erfüllen solche Läden eine wichtige Funktion: Sie sichern wohnortnahe Versorgung, schaffen persönliche Beziehungen und stärken regionale Lebensmittelstrukturen. Besonders im ländlichen Raum sind sie oft weit mehr als reine Einkaufsorte. Sie sind Treffpunkte, Informationsorte und Teil einer lebendigen Nahversorgung.

Ein Ansatz, um diese Versorgung langfristig zu stabilisieren, ist der gemeinschaftsbasierte Einzelhandel. Irene Krieg stellte den Studierenden vor, wie sie dieses Modell in Friesenheim umgesetzt hat. Ihre „Käpsele“ verpflichten sich dabei für ein Jahr zu einem monatlichen Einkaufsguthaben, das dem Markt bereits zu Beginn des Monats zur Verfügung steht. Für den Biomarkt entsteht dadurch mehr Planungs- und Finanzierungssicherheit. Für die Kundinnen und Kunden wird der Einkauf zugleich zu einer bewussten Unterstützung der lokalen Versorgungsstruktur. Irene Krieg berichtete, dass das Projekt erfolgreich gestartet ist. Gleichzeitig darf die Zahl der Mitglider gerne noch weiter wachsen.

Im Anschluss an die Begehung des Ladengeschäfts entwickelte sich eine angeregte Diskussion über die Zukunft des inhabergeführten Bioeinzelhandels, über neue Formen gemeinschaftlicher Finanzierung und über die Frage, wie regionale Versorgung auch unter veränderten Marktbedingungen erhalten bleiben kann.

Die Exkursion vermittelte den Studierenden einen praxisnahen Einblick in innovative und nachhaltige Konzepte entlang der regionalen Ernährungswirtschaft in der Oberrheinregion. Der direkte Austausch mit Praktikerinnen wie Irene Krieg zeigt, wie eng wirtschaftliche Tragfähigkeit, gesellschaftliches Engagement und regionale Wertschöpfung miteinander verbunden sind.

Falls ihr auch Lust habt zum Käpsele zu werden könnt ihr euch hier informieren.

Bild + Text Uni FR (redkationelle Anpassungen ausgenommen)

20.05.2026

Ein Jahr Partnerschaft

Regionalität endet nicht beim Lebensmittel

Nach einem Jahr Partnerschaft haben wir gemeinsam mit der EWS eine erste Evaluation vorgenommen. Dabei wurde deutlich: Wir werden unsere Kooperation weiterentwickeln!

Vor rund einem Jahr konnten wir mit den Elektrizitätswerken Schönau, kurz EWS, unseren ersten assoziierten Betrieb im Regionalwert-Netzwerk begrüßen. Die EWS sind als bürgereigene Energiegenossenschaft bekannt. Seit Jahrzehnten stehen die „Stromrebellen“ für Klimaschutz, Atomausstieg und eine dezentrale Energiewende.

Die Verbindung von regionaler Ernährung und regionaler Energiewende bietet viele praktische Anknüpfungspunkte. Für unsere Partnerbetriebe entstehen daraus neue Möglichkeiten, sich zu Fragen rund um Energieeffizienz, Eigenstromnutzung und erneuerbare Energien praxisnah zu informieren und weiterzuentwickeln. Ein Baustein könnte dabei auch der EWS-Sonnencent werden, mit dem Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Klimaschutz unterstützt werden.

Die Expertise der Stromrebellen, die für unsere Partnerbetriebe in Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Gastronomie zunehmend wichtig wird: Wie können Betriebe Energie effizienter nutzen? Welche Rolle spielen Photovoltaik, Speicherlösungen und Eigenverbrauch? Und welche Fördermöglichkeiten können dabei unterstützen? Energie ist eine zentrale Frage für zukunftsfähige Betriebe und die regionale Wertschöpfung.

Wir freuen uns darauf, diese Zusammenarbeit 2026 weiter mit Leben zu füllen – gemeinsam mit der EWS und den Betrieben in unserem Netzwerk.

Wer die EWS und die Geschichte der „Stromrebellen“ näher kennenlernen möchte, hat dazu bald Gelegenheit: Am 04. Juli feiern die EWS ihr Fest des Engagements. Die Veranstaltung bietet Einblicke in die Geschichte der bürgereigenen Energiewende und in aktuelle Fragen rund um Klimaschutz, Energieversorgung und regionale Verantwortung.

Weitere Informationen gibt es hier.

02.04.2026

Netzwerktreffen in Waldkirch

Partnerbetriebe stehen im Mittelpunkt

Beim zweiten Partnertreffen in diesem Jahr luden wir unsere Partnerbetriebe nach Waldkirch ins ehemalige Gefängnis ein. Das Treffen am neuen Standort der Regionalwert AG Freiburg-Südbaden stand unter der zentrale Frage: Wie entwickeln wir unser Netzwerk weiter, sodass die Partnerbetriebe langfristig und konkret davon profitieren?

Ein gemeinsames Verständnis zog sich dabei durch die Gespräche des Tages: Die Partnerbetriebe stehen im Zentrum unseres Wirkens! Es geht dabei um mehr als reine Vernetzung, nämlich um konkrete Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Lernen im Alltag. Dieses Selbstverständnis ist bereits in der Satzung der Bürgeraktiengesellschaft verankert. Dort heißt es, dass die Partnerbetriebe in ihrer Zusammenarbeit eine Chance sehen, Synergien in ökonomischer, regionaler, sozialer und ökologischer Hinsicht zu nutzen und zu fördern. Ebenso gehört dazu, voneinander zu lernen und Wissen zum wechselseitigen Vorteil auszutauschen. Damit die Zusammenarbeit stärker wird, braucht es zusätzliche wirtschaftliche Kompetenz im Netzwerk. Dazu gehört es, gezielt mit weiteren Partnern zusammenzuarbeiten, die durch Beratung, aber auch durch konkrete Angebote und Umsetzungsstärke praktisch unterstützen können.

Erste Schritte in diese Richtung sind bereits gemacht:

Mit den EWS konnten wir eine assoziierte Partnerin im Energiebereich gewinnen. Außerdem wurde den Partnerbetrieben an diesem Abend ein regionaler Experte für Versicherungsfragen vorgestellt, der bei Bedarf unterstützend zur Seite steht. Darüber hinaus sind wir mit weiteren regionalen Unternehmen im Gespräch, um die wirtschaftliche Entwicklung unseres Netzwerks aktiv voranzutreiben.

Neben der wirtschaftlichen Perspektive spielte beim Treffen auch die soziale Dimension eine wichtige Rolle. Mit der Beteiligung der DreisamWerke gGmbH an dem Biomarkt Waage wird gezielt Inklusionskompetenz in das Netzwerk eingebunden. Für uns ist das ein wichtiger Schritt, um soziale Verantwortung konkret zu leben.

Der Wertschöpfungsverbund wächst aktuell also nicht nur in der Zahl der Beteiligten, sondern auch in seiner Qualität. Für die Partnerbetriebe entstehen dadurch neue Möglichkeiten innerhalb der regionalen Struktur im Netzwerk. Gleichzeitig wird ein zentraler Anspruch der Regionalwert AG konkret: nicht einzelne Akteure sollen von den Angeboten profitieren, sondern der Verbund als Ganzes. Beim Treffen in Waldkirch wurde einmal mehr deutlich: Eine starke regionale Lebensmittelwirtschaft entsteht nicht von allein. Sie wächst, wenn Betriebe, Unternehmen und engagierte Menschen verbindlich zusammenarbeiten.

02.04.2026

Inklusion als Vorteil

Mitgesellschafter erweitert Perspektive

Unser Regionalwert Biomarkt Waage in Emmendingen gewinnt mit den DreisamWerken gGmbH eine neue Partnerin. Gemeinsam mit BODAN, der Regionalwert AG und dem Team vor Ort soll der Laden künftig nicht nur nachhaltig und regional stark aufgestellt bleiben, sondern auch soziale Teilhabe stärker mitdenken.

Die DreisamWerke gGmbH wurden 2014 gegründet und sind ein zertifiziertes Inklusionsunternehmen mit Standorten in Waldkirch, Freiburg und Vaihingen an der Enz. Ziel des Unternehmens ist es, Menschen mit Schwerbehinderung dauerhaft und gleichberechtigt in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Für die Regionalwert AG Freiburg-Südbaden eröffnet diese Zusammenarbeit eine wichtige Entwicklungsperspektive: Das Thema Inklusion, das bereits im Selbstverständnis der Regionalwert angelegt ist, soll im Netzwerk künftig eine noch stärkere Rolle spielen.

Der Gründer Klaus Pleuler leitet den Biomarkt Waage weiterhin gemeinsam mit seiner Partnerin Barbara Erb. Das bestehende Profil des Marktes wird durch die neue Partnerschaft sinnvoll ergänzt: um eine stärkere soziale Perspektive innerhalb einer nachhaltigen regionalen Entwicklung. Auch der Naturkostgroßhandel BODAN als Werte-Botschafter und Entwicklungspartner für Wertschöpfungskreisläufe unterstützt diesen Weg. Gemeinsam wollen die Beteiligten den Biomarkt Waage nachhaltig stärken und weiterentwickeln.

Mit der Zusammenarbeit mit den DreisamWerken stärken wir den Biomarkt Waage nicht nur wirtschaftlich und regional, sondern auch in einer wichtigen sozialen Dimension. Für uns ist das ein konsequenter Schritt, weil nachhaltige Entwicklung immer auch die Frage einschließt, wie Teilhabe und gute Arbeit in unserer Region ermöglicht werden.“ – sagt Peter Jürges, Vorstand der Regionalwert AG Freiburg-Südbaden

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