Ernährung gemeinsam denken
Ernährung ist mehr als eine Konsumentscheidung. Sie betrifft Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie, Kommunen und beeinflusst letztlich uns alle als Verbraucher. Gleichzeitig stehen gerade regionale Wertschöpfungsketten unter großem Druck – durch wirtschaftliche Zwänge, Klimaveränderungen und gesellschaftliche Erwartungen.
Wie wollen wir uns künftig in Freiburg und der Region ernähren? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion in Folge des Freiburger Ernährungsgipfels, an der Vertreter:innen des Großmarkts Freiburg, des Ernährungsrats Freiburg, der Universität Freiburg, der Kommune Schafhof und der Regionalwert AG Freiburg-Südbaden teilnahmen. (vgl. Foto)
Die Runde machte deutlich, dass tragfähige Lösungen entstehen, wenn unterschiedliche Akteure miteinander ins Gespräch kommen und Verantwortung teilen. Zum Abschluss wurden viele Fragen aufgeworfen – die Antworten liegen noch nicht auf dem Tisch. Umso wichtiger ist es, den Dialog fortzusetzen.
Gemeinwohl vor Marktlogik
Die Landwirtschaft produziert nicht nur Lebensmittel. Sie erhält fruchtbare Böden, fördert Biodiversität, schützt Wasser, schafft Arbeitsplätze und stärkt regionale Wirtschaftskreisläufe. Diese Leistungen sind für unsere Gesellschaft unverzichtbar – finden sich aber weder in den Preisen der Produkte, noch in betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wieder.
Genau hier setzte der Vortrag an: die Regionalwert-Leistungsrechnung macht ökologische, soziale und regionalökonomische Leistungen von Betrieben sichtbar und schafft damit eine Grundlage für neue Formen der Anerkennung und Vergütung. Nach einer kurzen Einführung hat Ralf Mützel per Videobotschaft erklärt, wie die Stadt Neumarkt dieses Tool nutzt, um mit kommunalen Geldern die regionale Landwirtschaft für Gemeinwohlleistungen zu bezahlen.
In einer kurzen Runde wurde dann besprochen, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit auch Freiburg und die Region diesen Weg einschlagen können. Hintergründe zu dem Projekt gibt es hier.
Foodpreneurs
Ideen für eine zukunftsfähige Ernährungswirtschaft entstehen oft nicht auf großen Bühnen, sondern dort, wo Menschen ehrlich miteinander ins Gespräch kommen.
Genau darum ging es beim grenzüberschreitenden Format mit Teilnehmenden aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Egal ob Landwirt, Köchin oder Gründer – Menschen mit Ideen für die Zukunft unseres Ernährungssystems kamen zusammen, um sich über aktuelle Herausforderungen und Erfahrungen auszutauschen. Dabei stand das gemeinsame Nachdenken im Vordergrund: Was beschäftigt mich gerade? Welche Erfahrungen können andere teilen? Und welche neuen Perspektiven entstehen daraus?
Als Regionalwert AG sind wir überzeugt, dass Innovation dort entsteht, wo unterschiedliche Menschen und Erfahrungen zusammenkommen. Der Blick über Betriebs-, Branchen- und Landesgrenzen hinweg eröffnet neue Lösungsansätze und stärkt die Zusammenarbeit in unserer Region. Wir danken Michael v. Kutzschenbach von der FHNW der dieses inspirierende Format initiiert und moderiert hat.
Austausch als Motor für Veränderung
Das Agrikulturfestival ist Ort des Zuhörens, des Vernetzens und des gemeinsamen Weiterdenkens. Landwirtschaft, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft haben unterschiedliche Interessen. Umso wichtiger ist der offene Dialog über gemeinsame Ziele und praktikable Lösungen. Eine zukunftsfähige Land- und Ernährungswirtschaft entsteht natürlich nicht an einem Wochenende, aber sie wächst dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, Netzwerke stärken und gemeinsam ins Handeln kommen.
Viele der diskutierten Fragen beschäftigen uns auch nach dem Festival weiter: Wie stärken wir regionale Wertschöpfung? Wie schaffen wir faire wirtschaftliche Perspektiven für landwirtschaftliche Betriebe? Wie können Gemeinwohlleistungen sichtbarer werden? Und wie gelingt es, Stadt und Land enger miteinander zu verbinden?
Als Regionalwert AG verstehen wir uns dabei als Impulsgeberin, Vernetzerin und Partnerin für eine zukunftsfähige Land- und Ernährungswirtschaft. Das Festival hat gezeigt, wie viel Wissen, Engagement und Veränderungsbereitschaft bereits in unserer Region vorhanden sind. Jetzt gilt es, diese Impulse aufzugreifen und gemeinsam weiterzuentwickeln – mit unseren Partnerbetrieben, Aktionären und vielen weiteren Akteurinnen.