Nach einem ersten Besuch im Jahr 2024 war das Naturalia erneut eine Station der Exkursion. Inhaberin Irene Krieg empfing die Gruppe in ihrem Biomarkt. Das Naturalia bietet ein vollständiges Sortiment an Biolebensmitteln, Naturpflegeprodukten sowie ein kleines Café mit Mittagstisch. Der Besuch machte deutlich, vor welchen Herausforderungen inhabergeführte Biomärkte heute stehen. Bioprodukte sind inzwischen auch in Discountern und großen Handelsketten breit verfügbar. Für kleinere, unabhängige Märkte bedeutet das einen wachsenden Wettbewerbsdruck. Sie müssen ihr Sortiment laufend weiterentwickeln, nah an den Bedürfnissen ihrer Kundschaft bleiben und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig arbeiten.
Dabei erfüllen solche Läden eine wichtige Funktion: Sie sichern wohnortnahe Versorgung, schaffen persönliche Beziehungen und stärken regionale Lebensmittelstrukturen. Besonders im ländlichen Raum sind sie oft weit mehr als reine Einkaufsorte. Sie sind Treffpunkte, Informationsorte und Teil einer lebendigen Nahversorgung.
Ein Ansatz, um diese Versorgung langfristig zu stabilisieren, ist der gemeinschaftsbasierte Einzelhandel. Irene Krieg stellte den Studierenden vor, wie sie dieses Modell in Friesenheim umgesetzt hat. Ihre „Käpsele“ verpflichten sich dabei für ein Jahr zu einem monatlichen Einkaufsguthaben, das dem Markt bereits zu Beginn des Monats zur Verfügung steht. Für den Biomarkt entsteht dadurch mehr Planungs- und Finanzierungssicherheit. Für die Kundinnen und Kunden wird der Einkauf zugleich zu einer bewussten Unterstützung der lokalen Versorgungsstruktur. Irene Krieg berichtete, dass das Projekt erfolgreich gestartet ist. Gleichzeitig darf die Zahl der Mitglider gerne noch weiter wachsen.
Im Anschluss an die Begehung des Ladengeschäfts entwickelte sich eine angeregte Diskussion über die Zukunft des inhabergeführten Bioeinzelhandels, über neue Formen gemeinschaftlicher Finanzierung und über die Frage, wie regionale Versorgung auch unter veränderten Marktbedingungen erhalten bleiben kann.
Die Exkursion vermittelte den Studierenden einen praxisnahen Einblick in innovative und nachhaltige Konzepte entlang der regionalen Ernährungswirtschaft in der Oberrheinregion. Der direkte Austausch mit Praktikerinnen wie Irene Krieg zeigt, wie eng wirtschaftliche Tragfähigkeit, gesellschaftliches Engagement und regionale Wertschöpfung miteinander verbunden sind.
Falls ihr auch Lust habt zum Käpsele zu werden könnt ihr euch hier informieren.