FAQs

Allgemein

Richtig Rechnen ist ein Forschungsprojekt der Forschungsgesellschaft Die Agronauten e.V. und der Regionalwert AG Freiburg. Gegenstand der Forschung ist eine differenzierte landwirtschaftliche Buchhaltung. Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb geschaffene soziale und ökologische Werte und Nachhaltigkeitsleistungen werden buchhalterisch erfasst und abgebildet.

Das Projekt ist vor dem Hintergrund entstanden, dass nachhaltig arbeitende Betriebe durch bestimmte Maßnahmen negative externe Effekte der Landwirtschaft (z.B. Nitrat im Grundwasser) vermeiden. Dafür nehmen die Betriebe einen zusätzlichen Aufwand und Mehrkosten in Kauf (z.B. durch den Aufbau von Humus). Um diese Leistungen sichtbar zu machen, ist es wichtig auch diese Kostenfaktoren und Leistungen in der Finanzbuchhaltung abzubilden. Dazu müssen diese benannt, erfasst, bewertet und schließlich monetarisiert werden. Zu diesem Zweck werden im Rahmen des Forschungsprojektes auf vier landwirtschaftlichen Betrieben Daten erfasst und verursachungsgerecht gebucht. Ziel des Projekts ist, eine sogenannte „Regionalwert-Nachhaltigkeitsbilanz“ zu erstellen, die die neu aufgezeigten Werte in die Handelsbilanz integriert.

Richtig Rechnen richtet sich an landwirtschaftliche Betriebe, die ein Interesse daran haben, ihre Leistungen besser und differenzierter darzustellen und langfristig eine Bilanzierung der geschaffenen Werte durch Datenerfassung voranzutreiben. Weiterhin richtet sich das Projekt an Interessent*innen und Vertreter*innen der Politik, Wirtschaft und wissenschaftliche Institutionen. Jeder dieser Bereiche kann dazu beitragen die Nachhaltigkeitsleistungen der Landwirtschaft zu bewerten, zu bilanzieren oder zu vergüten. Geplant ist auch eine Erweiterung der Indikatoren für Handel und Verarbeitung.

Die Regionalwert-Nachhaltigkeitsbilanz dient:

  • der Unternehmenssteuerung und der Nachhaltigkeitsbewertung,
  • der Bewertung von betriebswirtschaftlichen Risiken und Leistungen,
  • der Geschäftsberichterstattung an Kunden und Lieferanten,
  • dem finanziellen Ausgleich der nachgewiesenen Aufwände für Nachhaltigkeitsleistungen durch Ausgleichs-Fonds, Solawi – Mitglieder, gemeinnützige Träger, CSR-Partner und Eigentümer,
  • als Datengrundlage für die Preiskalkulation von Produkten,
  • der Festlegung von Markenkriterien und ihrer Kontrolle,
  • als Ergänzung bei der Erstellung von Jahresabschlüssen

Datenerfassung

Erfasst werden Daten in den Dimensionen Soziales, Ökologie und Regionalwirtschaft. Als Grundlage dienen die Summen- und Saldenlisten der Betriebe, die durch die zusätzlich gewonnenen Fragestellungen differenziert werden. Eine weitere wichtige Quelle von Informationen sind Aufschriebe von Zeitaufwänden für bestimmte Maßnahmen im Betrieb

Die erfassten Daten werden aktuell von den Betriebsleiter*innen in eine Excel-Tabelle eingepflegt, die anschließend von Forschungsmitarbeiter*innen interpretiert wird. In Planung ist ein webbasiertes Datenerfassungstool, das eine Datenbank speist und die Dateneingabe für die Betriebe erleichtern soll.

Der Aufwand hängt von der Betriebsgröße und der Menge der erfassten Daten ab. Außerdem kann eine bereits differenzierte Buchhaltung im Betrieb oder ein angepasstes Ablagesystem von Rechnungen dazu beitragen den Aufwand zu verringern. Die zusätzliche Erfassung der sozialen, ökologischen und regionalwirtschaftlichen Daten wird ein gewisses Zeitbudget beanspruchen, das im Betriebsablauf eingeplant werden muss. Beispielsweise bei einem Betrieb mit 15 Mitarbeiter*innen ist ca. eine Stunde pro Woche zu kalkulieren.

Da die Daten bewertet und einem Betrieb zugeschrieben werden müssen, muss für die zuständigen Mitarbeiter*innen der Regionalwert AG die Quelle der Daten sichtbar sein. Bei der Außendarstellung kann der Betrieb selbst entscheiden, ob er seine Nachhaltigkeitswerte kommunizieren möchte. Die gängigen Bestimmungen der Datenschutz Grundverordnung vom 23.05.2018 werden eingehalten.

Für das Forschungsprojekt genügt zunächst die Plausibilität der Daten. Sobald für die Leistungen ein monetärer Ausgleich fließt (z.B. über einen Ausgleichsfond), muss eine Prüfung der Daten stattfinden. Für die Kontrolle der Daten müssen die Prüfer*innen über buchhalterisches und sozial-ökologisches Wissen verfügen.

Für die Aufwände, die durch Zeiterfassung abgebildet werden, werden für die Bewertung mittelfristig Kennzahlen hinterlegt. So wird sichergestellt, dass nur ein sinnvoller Zeitaufwand für eine Leistung angerechnet und übermäßiger Aufwand nicht belohnt wird. Zusätzlich werden durch den Aufschrieb des Zeitaufwands Belege geschaffen, die geprüft und hinterfragt werden können.

Die Indikatoren wurden zu Beginn des Forschungsprojekts auf der Basis von wissenschaftlichen Studien, vorhandenen Nachhaltigkeitsbewertungen und Erfahrungswissen zusammengestellt. In Rücksprache mit den Projektbetrieben werden die Indikatoren im Verlauf des Projekts kontinuierlich verbessert und angepasst.

Buchhaltung

Im Anschluss an die Erfassung der Leistungen durch die Betriebe werden die Daten bewertet und monetarisiert. Die Zahlen werden auf drei unterschiedlichen Wegen in finanzielle Werte errechnet. Diese Wege werden in der Broschüre zur Regionalwert-Nachhaltigkeitsbilanz („Was leistet die Landwirtschaft wirklich?“) dargestellt. Nach der Monetarisierung werden die jeweiligen Geldwerte in differenzierte Buchhaltungskonten zugeteilt, die die realen Aufwände gerecht abbilden.

Die Bewertungswege sind nachvollziehbar und die Festlegung von Grenzwerten wird offen kommuniziert. Diese Grenzwerte basieren auf wissenschaftlichen Studien und Erfahrungswerten. Sie sind ständiger Weiterentwicklung unterworfen und müssen an regionale Gegebenheiten angepasst werden.

Nein. Allerdings bietet es sich an, sich mit der Buchhaltung abzusprechen um einige neue Konten anzulegen. Eine differenzierte Kontenstruktur, z.B. Erlös durch samenfeste Sorten, erleichtert dem Betrieb die Erfassung der Daten.

Zusätzlich zu den Daten, die der Betrieb in der Erfassungstabelle einträgt, werden die Summen- und Saldenlisten und der Jahresabschluss benötigt.

Nur so können wir die erbrachten Leistungen den richtigen Aufwandskonten zuordnen.

Die Kosten für eine Regional-Nachhaltigkeitsbilanz sind abhängig von mehreren Faktoren, die noch in Verhandlung sind. Grundsätzlich soll die Vergütung der nachgewiesenen Leistungen die Kosten für die Erstellung der Bilanz übersteigen, sofern natürlich gewisse Leistungen erbracht wurden.

Ausgleichszahlung

Momentan befinden wir uns in der Forschungsphase, in der es hauptsächlich darum geht, die Leistungen ersichtlich zu machen und (Geld-)Werte für jene Leistungen zu entwickeln. Geplant ist die geschaffenen Werte durch die ausgewiesenen Leistungen pro Betrieb über einen Ausgleichsfond zu vergüten. In diesem Rahmen sind auch Förderer gesucht, die leistungsbezogene Subventionen unterstützen wollen und den Ausgleichsfond füllen.

Die Höhe der Ausgleichzahlungen ist schwer vorher zusagen, da sie von diversen Faktoren abhängt. Neben den Leistungen des Betriebes entscheidet die Höhe der verfügbaren Fördermittel über den Ausgleichsbetrag.

Zunächst stehen die positiven Leistungen im Vordergrund. Bei einigen Wirtschaftsweisen, die mit besonders negativen externen Effekten verbunden sind, wird eine Verringerung der Vergütung vorbehalten, jedoch sind Strafzahlungen ausgeschlossen. Im schlechtesten und nicht zu erwartenden Fall erhält der Betrieb keine Vergütung.

Ja. Bei der Regionalwert-Nachhaltigkeitsbilanz geht es weniger um Systemvergleiche, sondern vielmehr um die Bewertung einzelner Parameter in Bezug auf einen Betrieb. In der Regionalwert-Nachhaltigkeitsbilanz werden auch Faktoren beachtet, die nicht in der Bio-Zertifizierung enthalten sind, z.B. Fachkräfteanteil, Ausbildung und regionalwirtschaftliche Leistungen.

Da sich das Projekt noch in der Forschungsphase befindet, sind Überlappungen aktuell noch möglich. Sie werden aber überprüft und ggf. von der Regionalwert-Nachhaltigkeitsbilanz abgezogen oder als bezahlte Forderung verbucht.

Die Ausgleichszahlungen orientieren sich an tatsächlichen Leistungen, z.B. für Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität oder Ausbildung. Ein größerer Betrieb hat verhältnismäßig höhere Ausgaben und kann diese dementsprechend auch erfassen und geltend machen.

Sollten die ausgewiesenen Leistungen bilanzierbar sein und zu höheren Gewinnen und Vermögen führen oder zahlt ein Fond einen finanziellen Ausgleich, der zu zusätzlichen Erträgen führt, dann müssen die entstandenen Gewinne steuerlich berücksichtigt werden.