Das vom BMAS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) geförderte Projekt mit Partner SAP hat eineinhalb Jahre weitgehend projektintern gearbeitet: im stillen Kämmerchen der Forschungsabteilungen der Expertisepartner sowie in überschaubaren Experimentierräumen bei den Unternehmen Bodan, Bohlsener Mühle, Bingenheimer Saatgut und den Aktionär*innen der Regionalwert AG Freiburg. Jetzt ist die Zeit gekommen, unser Konzept und die Methodik öffentlich zu machen.

Bereits Anfang des Jahres präsentierte die SAP QuartaVista auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Anfang Mai folgten Interviews mit Christian Hiß in der Wochenzeitung Der Freitag und dem SAP-Projektleiter Reiner Bildmayer in der Zeitschrift Liberal. Am 12. Mai hieß es „QuartaVista goes Akademia“, eine virtuelle Konferenz mit 70 Teilnehmer*innen, darunter 15 Professor*innen unterschiedlichster Disziplinen, von Digital Finance und Management über Verwaltungswissenschaft und Umwelttechnik bis zu Sustainability Governance. Der Pioniercharakter von QuartaVista fand großen Zuspruch. Mehrere Folgetermine sind geplant, um die Vielfalt an wissenschaftlichen Fragen und Anregungen weiter zu diskutieren.

Unser Konzept: QuartaVista bietet werteorientierten Unternehmen ein modellhaftes Navigationssystem, das Unternehmenssteuerung und Bilanzierung verknüpft. Die Regionalwert AG Freiburg strebt einen Paradigmenwechsel in der unternehmerischen Erfolgsmessung an. Bereits im Forschungsprojekt „Richtig Rechnen in der Landwirtschaft“ wurde die erweiterte Erfolgsrechnung und Bilanzierung anhand von multidimensionalen Leistungskennzahlen für die Landwirtschaft entwickelt. In QuartaVista wird dieser Ansatz weitergeführt. Wir schließen dabei an die Methoden und Instrumente an, die in der Betriebswirtschaft der Unternehmenswelt gängig sind. Wir übernehmen die vorhandene Darstellungsform in der SAP-Buchhaltungssoftware Business By Design und bilden Leistungskennzahlen (KPIs) in Form von Graphen, Balken- und Tortendiagrammen ab. Jedoch erweitern wir das KPI-Set um die Erfolgsmessung von ökologischen, gesellschaftlichen, wissensbasierten und regionalökonomischen Leistungsfaktoren. Das Unternehmenscockpit sieht auf den ersten Blick aus wie gewohnt, doch hinter den KPIs geht ein neues Universum der Erfolgsmessung auf. Was in der Volkswirtschaft als Externalitäten erscheint, wird hier in die unternehmensinterne Erfolgsmessung integriert.

Unsere Methodik: Gemäß der Methodik Richtig Rechnen werden die unternehmerischen Leistungen über den betrieblichen Aufwand ermittelt. Aufbauend auf den KPI-Findungsprozess erfolgt die Operationalisierung der KPIs in vier Stufen. Der Aufwand wird in Bezug zu den Unternehmens- sowie Nachhaltigkeitszielen interpretiert und monetarisiert. Die somit sichtbaren Vermögenswerte werden auf zusätzlichen Bilanzkonten gebucht. Dieses Vorgehen macht transparent, wieviel ein Unternehmen in den Vermögenserhalt der Dimensionen Ökologie, Gesellschaft, Wissen und Finanzielles investiert und leistet. Wenn es sozial-ökologische Leistungen erbringt, schafft es Vermögen. Schäden lassen sich als Minderwerte oder Risiken in der Bilanz abbilden. Diese erweiterte Bilanzierung ist zunächst experimentell und macht sichtbar, was bei einer Novellierung der gesetzlichen Bilanzierungsregeln im Sinne eines Green Accounting Standards möglich wäre.

 

Dr. Jenny Lay-Kumar
E-Mail: lay-kumar@regionalwert-ag.de